„Wir sind dankbar, dass es weitergeht“, sagt Michael Karlstetter. Der Leiter der Breitenausbildung im BRK Kreisverband Dachau konnte nach dem Lockdown nun erstmals mit 14 Teilnehmern wieder eine Sanitätsgrundausbildung durchführen. An sechs Tagen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschult, wie sie in einer Notfallsituation nach Erste-Hilfe-Regeln fachkundig helfen können. In einer abschließenden Prüfung stellen sie ihr Wissen unter Beweis. Die Teilnehmer stammen aus Rot-Kreuz-Gemeinschaften, wie den Bereitschaften, der Wasserwacht und dem Jugendrotkreuz. Aber auch berufliches Interesse kann Motivation zur Fortbildung sein, beispielsweise für Medizinstudenten, Polizeibeamte oder Lehrer. „Der Kurs vermittelt Wissen, das über die Erste-Hilfe-Ausbildung deutlich hinaus geht. Was ist zu tun bei Hitze- und Kälteschäden, Lagerungsarten, Vorbereitung einer Infusion und Intubation, Ruhigstellung bei Knochenbrüchen, Aufziehen von Medikamenten, Frühdefibrillation“, erläutert Ausbildungsleiter Michael Karlstetter.

Michael Karlstetter und Angelina Hummeshage bei der praktischen Übung in der Sanitätsgrundausbildung
Michael Karlstetter und Angelina Hummeshage bei der praktischen Übung in der Sanitätsgrundausbildung

Er hat die Zeit des Corona-Lockdowns genutzt, um die Angebote in der Breitenausbildung zu erweitern. Im Bildungszentrum am Rotkreuzplatz 3-4 in Dachau werden verschiedene Fortbildungen angeboten: Aus- und Fortbildung in Erster Hilfe, Erste Hilfe am Kind und die Brandschutzhelferausbildung, die seit dem 1. Juni angeboten wird. Neu sind auch die Kurse in Erster Hilfe am Kind für gehörlose Eltern. Kurse in Erster Hilfe für Menschen mit Behinderung bietet das BRK Dachau bereits seit drei Jahren an. Der Kurs für gehörlose Eltern sei zustande gekommen, weil Vereine und Interessensverbände immer wieder danach gefragt hätten, so Karlstetter. „Da haben wir Bedarf erkannt“, sagt er. Während des Lockdowns arbeitete Karlstetter ein Konzept aus. „In Oberbayern sind wir die Einzigen, die das anbieten“, betont Michael Karlstetter (47). Er ist seit 29 Jahren beim BRK Dachau und leitet seit acht Jahren den Bereich der Breitenausbildung. Der erste Kurs für gehörlose Eltern war mit 15 Teilnehmern sehr gut besucht. In Abendlehrgängen übersetzte ein Dolmetscherteam für Gebärdensprache die Lerninhalte für die Teilnehmer. „Da hatten wir im ersten Kurs bereits ein sehr positives Feedback“, so Karlstetter. In Abstimmung mit dem Dolmetscherteam gestaltete Michael Karlstetter den Lehrgang und richtete ihn auf die Bedürfnisse der Teilnehmer aus. „Es wurden anspruchsvolle Fragen gestellt, die Teilnehmer waren sehr wissbegierig und ihre inhaltlichen Anforderungen hoch“, berichtete Michael Karlstetter. Die Simultanübersetzung der im Wechsel übersetzenden Dolmetscher verlief reibungslos.

Dennis Behrendt (vorne links) und Michael Karlstetter (hinten links) mit den Teilnehmern der Sanitätsgrundausbildung im Rotkreuz-Bildungszentrum.
Dennis Behrendt (vorne links) und Michael Karlstetter (hinten links) mit den Teilnehmern der Sanitätsgrundausbildung im Rotkreuz-Bildungszentrum.

Auch der Leiter Rettungsdienst und stellvertretende Kreisgeschäftsführer Dennis Behrendt ist froh, dass es so erfolgreich weitergeht: „Ich freue mich, dass wir motivierten Interessierten jetzt wieder viele Angebote machen können und auch der Nachwuchs im Katastrophenschutz und Rettungsdienst wieder loslegen kann.“ Alle Kurse werden sehr gut angenommen. Von Firmen, die ihre Mitarbeiter schulen lassen wollen, gäbe es viele Anfragen. Im Bildungszentrum am Rotkreuzplatz finden die Kurse unter Corona-Vorgaben statt. Mit eineinhalb Metern Abstand, Hände desinfizieren und Handschuhen bei den praktischen Übungen. Am Sitzplatz darf der Mund-Nasenschutz abgenommen werden. Der Schulungsraum ist groß und wird regelmäßig gelüftet. Bei den Übungen musste jedoch der praktische Anteil reduziert werden. „Wir haben uns nahtlos an die COVID-19-Sitaution angepasst“, betont Michael Karlstetter. Bei der Wiederbelebung ist die Atemspende ist kein Muss, viel wichtiger ist die Herzdruckmassage. Einen Kurs außerhalb zu halten, sei ebenfalls kein Problem, so Karlstetter. Junge Menschen sehen in der Fortbildung eine Chance sich weiterzuentwickeln. Angelina Hummeshagen (20) ist Teilnehmerin der Sanitätsgrundausbildung und möchte danach ehrenamtlich den Helfer vor Ort in Petershausen unterstützen. Auch die 17-jährige FOS-Schülerin Elisa Friedrich kommt aus privatem Interesse: „Ich möchte in meiner Freizeit gerne ehrenamtlich helfen und fühle mich hier sehr gut aufgehoben.“

Am Donnerstag, 24. September, findet der nächste Lehrgang in Erster Hilfe für gehörlose Eltern mit elf Teilnehmern statt. Alle Kurse können ganz einfach online unter „www.brk-dachau.de“ gebucht werden.