Einen Blick in die fernere Zukunft wagten Interessierte aus dem Ehrenamt und dem Hauptamt im BRK Kreisverband Dachau. Der BRK-Kreisvorsitzende Bernhard Seidenath und BRK-Kreisgeschäftsführer Paul Polyfka hatten zum Think Big-Tag in das Rotkreuzhaus eingeladen, um gemeinsam Szenarien zu skizzieren, wie die Tätigkeitsbereiche des Wohlfahrtsverbandes im Jahr 2040 wohl aussehen könnten. Zum Abschluss der Innovations-Tagung vergruben alle Teilnehmer im Garten des Rotkreuzhauses gemeinsam eine Zeitkapsel.

Unter Anleitung von Moderatorin Silke E. Otto ließen die rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerade für die Fachbereiche Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Wohlfahrt und Soziales sowie dem Hausnotruf die Ideen frei fließen über die Bedürfnisse in der zukünftigen Welt, die beherrscht sein wird von Digitalisierung, automatischen und vernetzten Abläufen sowie neuen Formen der Mobilität. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Tätigkeitsfelder des BRK aussehen müssen, um auch noch in 22 Jahren erfolgreich zu sein. „Wir wollen uns auf die Bedürfnisse der Menschen optimal einstellen, um möglichst gut helfen zu können“, erläuterte Bernhard Seidenath. Paul Polyfka ergänzte: „Wir wollen die Besten bleiben. Einen Veränderungsbedarf der Verbandsstruktur im Hinblick auf die Lebenswirklichkeit verspüren wir schon jetzt. Beides in Einklang zu bringen, ist enorm wichtig.“

Basierend auf den heutigen Erkenntnissen sprudelten die Ideen nur so aus den Teilnehmern. Im Jahr 2040 wird es wohl den bisher üblichen Hausnotruf nicht mehr geben, sondern möglicherweise ein Hilfesystem, das über einen eingepflanzten Chip im Körper selbstständig erkennt, ob ein Mensch medizinische Hilfe braucht. Das Team des Rettungswagens wird in der Lage sein, den Patienten in kürzerer Zeit effizienter versorgen. „Wir erwarten eine hohe Versorgungsqualität in einer kürzeren Zeit“, bemerkte der Leiter Rettungsdienst Dennis Behrendt. Auch wird die Telemedizin zur Überbrückung räumlicher oder auch zeitlicher Distanzen zwischen Arzt, Rettungsdienst und Patient mehr Gewicht haben. Der Katastrophenschutz wird vor großen Aufgaben stehen, was zunehmende Naturkatastrophen sowie die Anfälligkeit von kritischen Infrastrukturen in Städten betrifft. „Durch die Digitalisierung sind immer mehr Menschen auf Stromversorgung angewiesen. Bei großflächigen Ausfällen müssen wir uns mit Konzepten positionieren“, erläuterte Kreisbereitschaftsleiter Reinhard Weber. Das Wohnen im Alter wurde positiv skizziert. Jung und Alt leben zusammen und alltägliche Handgriffe werden von humanoiden Robotern erledigt. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Ideenrunde war das Thema Ehrenamtsmotivation. „In der Zukunft wird es noch wichtiger sein, flexibel reagieren zu können und sich den hilfsbedürftigen Menschen anzupassen“, so der Ehrenamtsbeauftragte Benjamin Sanchez. Angesichts der nicht aufzuhaltenden Digitalisierung im Alltag macht sich die Fachberatung Kindertageseinrichtung Ursula Singer-Parzefall ganz andere Sorgen: „Durch den großen Stellenwert des Smartphones im familiären Alltag leidet die zwischenmenschliche Kommunikation. Darauf müssen wir mit besonders sensiblem und speziell ausgebildetem Erziehungspersonal reagieren, das erkennt, wo die zwischenmenschlichen Bedürfnisse der uns anvertrauten Kinder liegen.“

Besonders erfreut waren alle Teilnehmer an diesem visionären und positiven Tag über das Zusammenwirken von Hauptamt und Ehrenamt. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Hans Ramsteiner sagte abschließend: „Wir müssen weiter an der Zukunft arbeiten und den Schulterschluss der sich verändernden Bedürfnisse mit der Strategie unseres Kreisverbandes schaffen.“ Zur Markierung der Zeitkapsel mit Statements aller Teilnehmer zur Zukunft pflanzten Bernhard Seidenath und Paul Polyfka zudem einen Zwetschgenbaum. „In 22 Jahren werden wir erfahren, ob unsere Prognosen zutreffen“, so Paul Polyfka.