Die erste Installation des neuen kulturellen Projektes „Die StrassenstrickerInnen“ ist gelungen. Die Brücke über den Mühlkanal am Fuße des Karlsbergs erstrahlt nun in bunten Farben. Viele aneinandergenähte Wollrechtecke umhüllen das Geländer zu beiden Seiten der Brücke, leuchten schon von Weitem und setzen in der kalten Jahreszeit einen warmen Akzent im Straßenbild.

Strickprojekt

Hans Ramsteiner, stellvertretender Kreisvorsitzender des BRK Dachau, und Julia Kießig, Projektkoordinatorin Soziale Innovation des BRK Dachau, stellten die Installation des ersten Dachauer Strickgraffiti mit den beteiligten Strickerinnen der Öffentlichkeit vor. Mit Nadel und Faden machten sich Brigitte Göttler, Heide Schmetzer, Gabriele Sölter und Susanne Findl sogleich an die Arbeit, nähten die gestrickten und gehäkelten Rechtecke aneinander, wickelten sie um das Geländer und fixierten sie. Auf jeder Seite wurden 13 Meter Geländer bestrickt. Spontan kam Annemarie Pattis, die Vorsitzende des Vereins artTextil, dazu und half mit. „Ich bin eine Späteinsteigerin und finde, das ist eine super Sache“, lachte Annemarie Pattis. In jedes 31 x 20 cm großes Wollrechteck ist ein Kreuz eingearbeitet als Hinweis auf das BRK Dachau, das die generationenverbindende Aktion ins Leben gerufen hat.

„Ein spannendes Projekt“, betonte Oberbürgermeister Florian Hartmann und würdigte die Verbindung des BRK-Gedankens mit einem kulturellen Anspruch. Er bedauerte, dass die Aktion nicht schon früher gestartet wurde. Dann hätte man nämlich die triste Fassade der langjährigen Bauruine der ehemaligen Koschade-Klinik in der Dachauer Altstadt einhäkeln können, meinte er ironisch. „Das wäre ein toller Anfang gewesen“, so Hartmann und wünschte den StraßenstrickerInnen weitere „tolle Verhüllungen“. Die Teilnehmerinnen hatten sich immer mittwochs in der Kulturschranne getroffen, um gemeinsam zu stricken und die Installation auszuarbeiten. Heide Schmetzter sagte über ihre Motivation: „Ich stricke einfach gerne.“ Gabriele Sölter würde gerne weitermachen, auch um einen guten Zweck erfüllen: „Wir sollten überlegen, wo wir noch helfen können.“   

von rechts nach links: Gabriele Sölter (orange Jacke), Brigitte Göttler und Heide Schmetzer nähen die Wollrechtecke am Brückengeländer fest.
von rechts nach links: Gabriele Sölter (orange Jacke), Brigitte Göttler und Heide Schmetzer nähen die Wollrechtecke am Brückengeländer fest.

Auch Hans Ramsteiners Wunsch wäre es, das Projekt weiterzuführen. „Das Projekt spricht Ältere, die womöglich bereits Strickexperten sind, genauso an, wie die junge Generation, die sich für Strassenkunst interessiert und das Stricken von den Älteren lernen kann”, so Ramsteiner, der im BRK Dachau den Bereich Wohlfahrt und Soziales ehrenamtlich leitet. Koordinatorin Julia Kießig ist guter Dinge. „Wir haben soviel Wolle zugeschickt bekommen, dass wir noch lange weitermachen können“, sagte sie. Am meisten freue sie sich über die Autofahrer, die jetzt lächeln, wenn sie über die Brücke fahren. „Damit bringen wir ein Stück Freude in die triste Jahreszeit“, so Kießig. Auf dem Weg in die Altstadt waren Helgrid und Udo Hattwig aus Karlsfeld die ersten Passanten, die über die verhüllte Brücke spazierten. „Schön kuschelig und bunt“, sagte Helgrid Hattwig. Ihr Ehemann regte an, auch die vielen Karlsfelder Brücken über die Würm auf diese Weise zu verschönern. 

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