Nach 35 Jahren wurde die Leiterin des BRK-Integrationskindergartens „Zwergerlstube“ in Karlsfeld, Jutta Seyfferth, in den Ruhestand verabschiedet. Mit Pioniergeist hat sie den Kindergarten zu einer Betreuungseinrichtung mit wegweisenden pädagogischen Konzepten gemacht.
Der BRK-Kreisgeschäftsführer Dennis Behrendt verabschiedete die Pädagogin schweren Herzens und bedankte sich bei ihr für ihren Mut, für die Kinderbetreuung des BRK Dachau pädagogische Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und dauerhaft zu etablieren. „Mit Ihrer ganzheitlichen Erziehungsarbeit haben Sie Maßstäbe gesetzt und die ‚Zwergerlstube‘ zum Aushängeschild gemacht“, betonte Behrendt.
Mit zwei Integrationsgruppen und zwei Regelgruppen betreut die „Zwergerlstube“ insgesamt 80 Kinder. „Ich habe in meine tägliche Arbeit das Kind immer in den Mittelpunkt gestellt, aber nie das Kind alleine gesehen, sondern immer das System Familie einbezogen“, berichtet sie. Ihr 21-köpfiges gemischtes Team aus Kinderpflegerinnen, Erziehern und Erzieherinnen, Sonderpädagogen und Heilerziehungspflegern trägt alle diese Werte mit.
Anfangs noch stand die „Zwergerlstube“ unter der Trägerschaft der Gemeinde Karlsfeld und war im Erdgeschoß der Hauptschule an der Krenmoosstraße untergebracht. Jutta Seyfferth hatte schon damals viele Ideen. Sie kam ursprünglich aus der Jugendarbeit, machte Fortbildungen zur Motopädagogin, in tiergestützter Pädagogik, zur systemischen Erziehungsberaterin und im Sozialmanagement. Die Elternberatung lag ihr schon immer besonders am Herzen. Als 1990 das neue Gebäude an der Sesamstraße fertiggestellt war und die Trägerschaft an den BRK Kreisverband Dachau überging, konnte Jutta Seyfferth den damaligen BRK-Kreisgeschäftsführer Rudi Stauß von ihren neuen pädagogischen Konzepten überzeugen. „Wir waren die erste Einrichtung, die eine Integrationsgruppe hatte“, so Seyfferth. Die Integrationsarbeit sei besonders fordernd, berichtet sie. Um Kinder mit einer Beeinträchtigung, einer Behinderung oder mit Entwicklungsverzögerungen zu fördern, braucht es in den Gruppen ein stabiles Gleichgewicht. Die Elternarbeit ist dabei enorm wichtig. „Wir nehmen nicht nur ein Kind auf, sondern eine ganze Familie“, berichtet sie. Ihr war es von Anfang an wichtig, mit dem Blick aus der Vogelperspektive auf die Kinder und ihre Eltern zu schauen, auf die Familien zuzugehen und zu beraten. Dazu gehören Basisgespräche und Hausbesuche, auch eine Familienaufstellung, wenn ein Kind Schwierigkeiten hat. Die Beratung „pro bono“, das heißt kostenlos, nehmen die Familien gerne an. Das Wichtigste aber ist eine wohlwollende und zugewandte Haltung und die Freude am Beruf: „Nicht werten, sondern hinschauen und wahrnehmen, zwischen den Zeilen lesen lernen.“ Immer steht das Kind im Mittelpunkt. Ein intensives Arbeiten mit der ganzen Famlie könne für die Eltern durchaus auch unbequem sein, so Seyfferth. Die Elternschaft dankt ihr für ihre kompetente und liebevolle Arbeit mit einem hohen Beliebtheitsgrad. Mit der Schulvorbereitung der Vorschulkinder hat sie ebenfalls Maßstäbe gesetzt. Nicht einfach vorgefertigte Blätter ausfüllen, sondern Zuhören lernen, Gedichte, klassische Musik, Theater in den Kindergartenalltag tagtäglich integrieren genauso wie ein ausgewogenes Maß an Bewegung und Entspannung. In den vergangenen Jahren ist es Jutta Seyfferth gelungen, als Fachberaterin für jeden Integrationskindergarten des BRK Dachau in Zusammenarbeit mit den Teams ein eigenes, signifikantes pädagogisches Konzept zu entwickeln und die Teams bei der Arbeit mit Integrationskindern zu unterstützen.
Die Nachfolge der Kindergartenleitung tritt die langjährige Mitarbeiterin Ursula Hoffmann an. Sie kennt die Zwergerlstube seit 2003, „damals noch als Mama“, wie sie sagt, 2006 machte sie die Ausbildung zur Erzieherin und arbeitet seitdem in der „Zwergerlstube“. Sie sagt: „Ich bin mit dem Haus vertraut und freue sich schon auf die neuen Aufgaben.“